Deutsche Konkurrenz für Paypal

Der Online-Bezahldienst Paypal hat sich über die letzten Jahre im Zahlungsverkehr, vor allem im grenzüberschreitenden, als deutlich günstigere Alternative zu klassischen Wegen wie der Banküberweisung etabliert. Noch gehört Paypal zum Ebay-Konzern, soll jedoch im Laufe des Jahres 2015 abgespalten und separat an die Börse gebracht werden. Momentan werden rund ein Viertel aller Online-Käufe mit Paypal bezahlt, ein Umstand, der den deutschen Banken nicht entgangen ist. Weltweit existieren 162 Mio. Konten bei Paypal über die Transaktionen in 100 verschiedenen Währungen abgewickelt werden können. Und das Unternehmen will weiter wachsen: Nicht nur im Online-Handel, sondern auch außerhalb des Internets. Mobiles Bezahlen über das Smartphone ist der nächste Trend. Zwar nutzen bislang nur etwa 13 Prozent der deutschen mobile Bezahlsysteme, wie die Unternehmensberatung Bain schätzt, doch in anderen Ländern liegt der Anteil bereits höher.

Die deutschen Banken sehen hier ein Geschäft an ihnen vorbei laufen und haben begonnen zu reagieren. Ein Bündnis der Geschäfts- und Genossenschaftsbanken sowie der Sparkassen hat beschlossen, einen Bezahldienst wie Paypal zu entwickeln und dem Branchenprimus damit Konkurrenz zu machen. Zunächst hieß es, dass die Sparkassen ihr eigenes System entwickeln wollen, doch mittlerweile haben sich auch die Sparkassen dem Bündnis der beiden anderen Bankenzweige in Deutschland angeschlossen. Mit dem neuen System, für das noch kein Name bekanntgegeben wurde, soll via Smartphone direkt an der Ladenkassen bezahlt werden können. Ferner sollen Überweisungen an Freunde über das Smartphone ermöglicht werden. Bevor dieses Feld angegangen wird, soll der neue Dienst der deutschen Banken zunächst die Kernkompetenz von Paypal abdecken, das Bezahlen in Online-Shops. Die ersten Tests sollen bereits zum Weihnachtsgeschäft 2015 anlaufen. Ende des Jahres 2016 soll das Projekt marktreif sein und für die Nutzer online gehen. Übrigens sind die deutschen Banken nicht die einzigen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben: Auch Apple bietet mittlerweile in den USA einen eigenen Bezahldienst an. Bei McDonalds wird in den Staaten jede zweite Zahlung über den Dienst ApplePay abgewickelt. Hierzulande stellt die Tatsache, dass der Dienst nur auf Apples neuem iPhone 6 läuft ein Hindernis dar, da lediglich 12 Prozent der hiesigen Smartphones ein Apfel-Logo tragen.

Die Idee der Sparkassen, wie sie sich gegen den Marktführer und aufstrebende Start-Ups in diesem Bereich durchsetzen wollen, ist die Treue und das Sicherheitsbedürfnis der Kunden. So heißt es, dass die Kunden eher den ihnen bekannten Banken bei Geldtransfers vertrauen werden als unbekannten US-Unternehmen. Ob sich der neue Dienst wirklich durchsetzen wird, ist jedoch fraglich. Für Transaktionen innerhalb Deutschlands stehen genug Alternativen zur Verfügung: Neben Paypal bietet nahezu jeder Shop die Lastschrift und Kreditkartenzahlung an. Das neue System bietet folglich keinen Mehrwert, zumal dieses von den Shop-Betreibern erst einmal eingebunden werden muss, was wiederum mit Kosten verbunden ist. Der große Vorteil eines Dienstes wie Paypal ist, dass in Sekundenschnelle weltweit Geld verschickt werden kann, ohne dass nennenswerte Kosten entstehen. Doch darf bezweifelt werden, dass internationale Shop-Anbieter gewillt sein werden, das neue deutsche System einzubinden, da einfach keine hinreichende Anzahl an Kunden dieses System nutzt, wenn es auf Deutschland fokussiert ist. Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, ob die Bemühungen der deutschen Banken Früchte tragen werden. Umso mehr vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Entwicklung eines solchen neuen Bezahlsystems mit erheblichen Kosten einhergeht. Schätzungen besagen, dass unter dem Strich von den Instituten 100 Mio. Euro investiert werden müssten, bis der fertige Dienst entwickelt ist. Ob die Institute bereit sein werden, so viel Geld in die Hand zu nehmen, steht noch in den Sternen. Hinzu kommt die Frage nach der Verteilung der Kosten, da nicht eine Bank alleine federführend ist, sondern hier drei Dachverbände in einem Joint Venture zusammenarbeiten. Hierbei möchte logischerweise jeder möglichst wenig zahlen, so dass auch die Höhe der Anteile der Verbände am Joint Venture interessant sein werden. Wir werden unsere Leser über die weitere Entwicklung in diesem Zusammenhang auf dem Laufenden halten.